"Warum machst du dich so groß? So klein bist du doch gar nicht..."
Der Bärlapp (Lycopodium) gehört zu den wichtigsten, doch zugleich unbeliebtesten homöopathischen Arzneien. Hinter seiner besserwisserischen Rechthaberei und dem Pochen auf rigiden Regeln verbergen sich tiefe Verunsicherung, Minderwertigkeitsgefühle und die Angst vor Bloßstellung. Von diesen Themen sind viele Menschen individuell wie kollektiv berührt (gesellschaftliches, politisches und juristisches Regelwerk), wie schon die sehr konträren Reaktionen auf die Corona-Maßnahmen belegen.
Bei diesem Homöopathischen Sonntag werden die Erscheinungsformen und Hintergründe der seelischen Konflikte des Mittels beleuchtet. Tina Große, Sara Riedel und Jens Brambach erörtern nicht nur häufige Indikationen von Lycopodium, sondern auch charakteristische zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Damit vertiefen sie unser Verständnis für Lycopodium-Problemkern und geben einfühlsame Einblicke in seine Ängste, aber auch seine Kompetenzen.
Der typische Lycopodium-Patient ist meist ehrgeizig und will hoch hinaus. Dabei greift er nicht nur zur Rechthaberei, sondern auch zur Verbiegung der Wahrheit (Lügen aus Feigheit). Nie will er klein beigeben, sondern sich prahlend hervortun. Fachlich ist er oft hoch kompetent, menschlich aber schwierig.
Die (therapeutische) Lernaufgabe besteht darin, sich selbst mehr zu vertrauen, indem auch die eigenen Schwächen ("Unzulänglichkeiten") und Ängste liebevoll angenommen werden. Indem wir realisieren, dass wir das Leben kaum in unserer (rationalen) Gewalt haben und ganz unterschiedliche Sichtweisen möglich sind, können wir mehr Empathie lernen - vor allem mit uns selbst und unseren (vermeintlichen) Defiziten.
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- Artikel-Nr.: SO-297
- Abspieldauer (ca.): 3 Std. 24 Min.
- Edition: SO (Homöopathischer Sonntag Berlin)
- Schlüsselworte: Lycopodium Rechthaberei Unsicherheit
"Warum machst du dich so groß? So klein bist du doch gar nicht..."
Der Bärlapp (Lycopodium) gehört zu den wichtigsten, doch zugleich unbeliebtesten homöopathischen Arzneien. Hinter seiner besserwisserischen Rechthaberei und dem Pochen auf rigiden Regeln verbergen sich tiefe Verunsicherung, Minderwertigkeitsgefühle und die Angst vor Bloßstellung. Von diesen Themen sind viele Menschen individuell wie kollektiv berührt (gesellschaftliches, politisches und juristisches Regelwerk), wie schon die sehr konträren Reaktionen auf die Corona-Maßnahmen belegen.
Bei diesem Homöopathischen Sonntag werden die Erscheinungsformen und Hintergründe der seelischen Konflikte des Mittels beleuchtet. Tina Große, Sara Riedel und Jens Brambach erörtern nicht nur häufige Indikationen von Lycopodium, sondern auch charakteristische zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Damit vertiefen sie unser Verständnis für Lycopodium-Problemkern und geben einfühlsame Einblicke in seine Ängste, aber auch seine Kompetenzen.
Zunächst beschreibt Martina Große die Pflanze und ihre Signatur. Als eines der ältesten Moose ist Lycopodium ein Überlebenskünstler. Unter den arzneiwirksamen Inhaltstoffen finden sich giftige Alkaloide, die den Brechnussgewächsen (DD Nux vomica) ähneln. Traditionell wird Lycopodiumpulver unter anderem zur Bestäubung von Kondomen genutzt ("abperlende Gefühle")! Dem persönlichen Erleben lycopodischer Ängste dient eine geführte Trance-Reise.
Der typische Lycopodium-Patient ist meist ehrgeizig und will hoch hinaus. Dabei greift er nicht nur zur Rechthaberei, sondern auch zur Verbiegung der Wahrheit (Lügen aus Feigheit). Nie will er klein beigeben, sondern sich prahlend hervortun. Fachlich ist er oft hoch kompetent, menschlich aber schwierig.
Sara Riedel geht auf die innere Verunsicherung ein, die durch rigide Regeln kompensiert werden soll. Mit Regeln kann man auch Macht ausüben, um dem Gefühl innerer Ohnmacht zu entkommen - gerade auch in der aktuellen Coronazeit. Auseinandersetzungen finden nicht emotional, sondern vernunftorientiert statt. Lycopodium erweist sich als Mensch mit schizoid zwanghaften Ängsten, der unter dem Gefühl leidet, nicht hinreichend ausgestattet zu sein, um dem Leben souverän begegnen zu können. Die Referentin berichtet von passenden Träumen (Prüfungen, bloßgestellt werden, Impotenz) und Problemen auf der körperlichen Ebene (Bauch- und Lebermittel), die den Grundkonflikt zwischen Individuum und Kollektiv ausdrücken (Malabsorption).
Hintergrund der Problematik sind oft alte, einschlägige Verletzungserfahrungen: Wenn ich Schwäche zeige, wird man fies zu mir. Eine lebenslange Angst vor erneuter Bloßstellung entsteht. Das Machtgehabe dient der Überspielung dieser empfundenen Kleinheit, beispielsweise gegenüber einem lycopodisch geprägten Vater, der das Kind in unangebrachte Machtspiele bringt: Wer von uns hat hier das stärkere Ego? Interessant sind auch Lycopodium-Mütter, die anstehende Entscheidungen rein verstandesorientiert fällen und zu den Gefühlen ihres Kindes kaum Kontakt haben. Zudem wähnen sie sich im permanenten Leistungsdruck einer Konkurrenz gegenüber anderen Müttern.
Jens Brambach widmet sich der Tragik von Lycopodium, der mangelnden zwischenmenschlichen Verbundenheit und den Konflikten zwischen Ego und Kollektiv. Während sich eine gesunde Beziehung durch gegenseitige Freiheit, Einfühlungsvermögen und Verlässlichkeit auszeichnet, wähnt sich Lycopodium in einer egozentrischen Konkurrenzsituation. Der Konflikt zeigt sich in Malabsorption (Leberdefizite, greisenhafte, vertrocknete Babys) und einem Missverhältnis zwischen Kraft und Ehrgeiz, zwischen großer Kompetenz (v. a. intellektuell) und Schwäche (Mangel). Zu nahe Beziehungen sind gefährlich, denn sie könnten die eigenen Schwächen entlarven (Phänomen: Impotenz bei der eigenen Frau).
Die (therapeutische) Lernaufgabe besteht darin, sich selbst mehr zu vertrauen, indem auch die eigenen Schwächen ("Unzulänglichkeiten") und Ängste liebevoll angenommen werden. Indem wir realisieren, dass wir das Leben kaum in unserer (rationalen) Gewalt haben und ganz unterschiedliche Sichtweisen möglich sind, können wir mehr Empathie lernen - vor allem mit uns selbst und unseren (vermeintlichen) Defiziten.
Martina Große
1. Pflanze und Signatur / Moos, Wald und Heide / Überlebenskünstler / Inhaltsstoffe und Giftwirkung (00:00)
2. Freiheit und kollektive Muster / traditionelle magische Wirkung / Lycopodiumpulver für Feuerspucker / Kondom-Herstellung / Abperlende Gefühle (09:06)
3. Trance-Reise / Angst vor körperlichen Schmerzen und fehlender Kontrolle (19:34)
4. Teilnehmerreaktionen / Geburt / Dem Feigling begegnen (24:37)
5. Symptome / Schwierigkeiten loszulassen / Verkrampftheit / Ehrgeiz, will hoch hinaus / Rechthaberei / Verbiegung der Wahrheit (30:55)
6. Kompetent, aber menschlich schwierig / Weinen mit Schluchzen / Gemeinsamkeiten mit Nachtschatten (41:57)
7. Träume: Prüfungen, bloßgestellt werden, Impotenz / Lebermittel / Leberbeschwerden nach Schreck / Rektumspasmus / Prahlerei (49:30)
Teil 2 (80:05)
Sara Riedel
1. Grundeinstellung von Lycopodium / Verunsicherung / prüfungsartige Fragen / Viele Corona-Regeln / Rigidität, Macht und Ohnmacht / Vernarrtheit in Vorschriften (00:00)
2. Ängste und Sicherheit bei Lycopodium / Fritz Riemanns Grundformen der Angst / Schizoide & zwanghafte Ängste / DD Calcium, Sulfur / Sicherheitsmodus (10:46)
3. Regeln und Machtpostionen / kriegerische Metaphern / Rebellion und Gleichheit / Bedürfnis nach Wachstum (18:26)
4. Empfindsamkeit / Ursprung: Gefühl der Ohnmacht (26:16)
5. Lycopodium-Kinder / Verletzung beim Schwäche zeigen / Fremdes und Neues / Sicherheitsbedürfnis (31:03)
6. Zwischenmenschlicher Umgang / Machtgehabe und Kleinheit / Waffen und Einschüchterung / Rechthaberei / cholerische Szenen / Beurteilen und Verurteilen (40:33)
7. Frauen und Mütter / Verstandesentscheidungen / Gefühlsausdrücke des Kindes ignorieren / Sorge um die Gesundheit / Leistungsdruck (52:40)
8. Aufgabe und Lösungsansatz / dem Leben vertrauen lernen / Empathiefähigkeit / Mangel an Selbstvertrauen vs. Hochmut / Verbundenheit (64:55)
9. Lycopodium vs. Pulsatilla / Lycopodium DD Arsen (73:35)
Teil 3 (57:01)
Jens Brambach
1. Obersalzberg / keine Verbundenheit / Vorsicht oder Feigheit? / Konkurrenz, Entfremdung und Ego (00:00)
2. Freiheit versus kollektive Muster / Individualität vs. Kollektiv (12:16)
3. Indiviualität und Ich / Einseitiger Ehrgeiz und Selbstverwirklichung / Malabsorption (Leberschwäche) / frühes Altwerden / Missverhältnis Kraft und Ehrgeiz (19:38)
4. Lycopodium DD Arsen (Opportunismus) / Gefühl, ein Hochstapler zu sein, Angst vor Entlarvung / Gefährliche Nähe (31:07)
5. Distanzierung und Abtrennung als Rettung / Kopf-Analyse zur Meidung emotionaler Verwicklung (41:43)
6. Machtspiele und Machtverhältnisse / Abwertung des Konkurrenten / Unterdrückender Vater / Libidoverlust und Großartigkeit (52:28)
Sara Riedel

1972 in Düsseldorf geboren, interessierte sie sich bereits sehr früh für Medizin. Mit 19 Jahren Ausbildung im Krankenhaus zur Pflegekraft. Zunächst ganz in der Schulmedizin zu Hause, bemühte sie sich um einen Medizin-Studienplatz. In dieser Zeit erfuhr sie die Wirksamkeit der Homöopathie angesichts der Behandlung eines Familienangehörigenum. Durch Drängen ihrer Freunde gelangte sie schließlich an die Samuel-Hahnemann-Schule. Aus einer skeptischen wurde eine völlig begeisterte Schülerin von Andreas Krüger und Hans-Jürgen Achtzehn. Nach 3jähriger Ausbildung setzte sie ihren Weg als Dozentenschülerin und schließlich Dozentin fort. Heute arbeitet sie mit Prozessorientierter Homöopathie in ihrer eigenen Praxis in Berlin-Charlottenburg und unterrichte die Abendkurse der SHS. Darüber hinaus bildet sie sich in Familienaufstellen bei Ekkehard Dehmel weiter.
Nähere Informationen über unsere Autorin Sara Riedel (Webseite): https://www.sara-riedel.de/
Martina Große

Werdegang
Gebürtig bin ich aus Hamburg, aber meine Wurzeln liegen über Generationen in Berlin. Deswegen bin ich nach dem Abitur hierher gezogen und wollte nie wieder weg.
- in Hamburg geboren
- nach dem Abitur nach Berlin gezogen
- Physiotherapieausbildung in Berlin
- Heilpraktikerausbildung in Berlin
- Dozentin an der Samuel-Hahnemann-Schule beim Homöopathischen Sonntag, im Kurs "Homöopathie für Laien" und im Abend-/Wochenendkurs für Prozessorientierte Homöopathie
- Dozentin für Triggerpunkttherapie und Seminare über Kinesiotaping an der Selbstverwalteten Heilpraktikschule in Kreuzberg
- Selbstständige Tätigkeit in eigener Praxis als Heilpraktikerin und Physiotherapeutin in der Praxisgemeinschaft Mommsenstraße in Berlin/Charlottenburg

Die Autorin im Vortrag über Lac leontis (Löwenmilch)(Bestnr. HT-518)
(Foto: Martin Bomhardt)
Nähere Informationen über unsere Autorin Martina Große (Webseite): http://grossemartina.de
Jens Brambach

Aus der eigenen Vita:
Ich bin seit über 15 Jahren Heilpraktiker in Berlin. In meiner Praxis in Kreuzberg arbeite ich schwerpunktmäßig mit Homöopathie, Psychotherapie und Familienaufstellungen Außerdem bin ich seit mehreren Jahren Dozent für Homöopathie und Aufstellungsarbeit u.a. an der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin und in der Wochenendausbildung "Der Homöopathische Weg".
Schon seit meiner Jugend treibt mich die Frage an, wie wir Menschen funktionieren. Wie kommen wir in unsere Kraft, wie stehen wir uns selbst im Weg, wie nehmen wir wahr, haben wir eine über uns hinausweisende Aufgabe oder Funktion in dieser Welt und wenn ja welcher Art ist diese. Ganz besonders interessiert mich dabei wie wir Freiheit erlangen können und was wir mit der Freiheit anfangen.
Auf meinem persönlichen Lebensweg sind mir zahlreiche Verwundungen begegnet, seelische wie körperliche. In meiner Entwicklung und meiner Arbeit habe ich erlebt, dass diese Wunden heilen können, wenn man sich auf den Weg zu ihren Wurzeln macht. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass jede Krankheit und jede Verletzung bei allem Leid auch einen Schatz birgt, eine Information, einen Wegweiser um zu den Wassern des Lebens zu finden, über uns hinaus zu wachsen und mit dieser unglaublichen Welt in Kontakt zu treten.

Jens Brambach im Vortrag "Nietzsche und die Syphilis" (Bestnr. HT-576)
(Foto: Martin Bomhardt)
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Fotomontage aus:"Lycopodium" © salzdespythagoras (Quelle: Pixabay) und "Vater und Sohn" © Prostock-studio (Bigstockphoto Lizenz, Stockfoto-ID: 430592699) Wir danken den Fotograf*innen herzlich für die Erlaubnis zur Nutzung der Bilder!
We thank the photographers very much for the permission to use these pictures!
Hersteller
Verlag Homöopathie + Symbol, Martin Bomhardt, Liebigstr. 36, 10247 Berlin, E-Mail: info@homsym.de
Produktabbildung
Digitales Produkt - keine Abbildung verfügbar. Die Abbildung oben links dient der symbolischen Dekoration dieser Seite
Produktform
Digitales Produkt: Eine/mehrere ZIP-Dateien als digitale(s) Paket zum Herunterladen via Email-Link / Kundenkonto. Die ZIP-Datei enthält alle zum Produkt gehörigen abspielbaren Medien (Format MP3 bei Audio oder MP4 bei Video), optional zusätzliche PDF-Dateien als visuelles Material, optional weitere TXT-Dateien oder andere marktübliche digitale Formate (Genaueres siehe Beschreibung unter "Details").
Angaben zur Produktsicherheit / Warnhinweise
Dieser Titel (Inhalt des Produkts) enthält fachkundliche Informationen für/über Heilberufe und heilkundliche Anwendungen, jedoch keine Werbung für bestimmte Heilmittel/-behandlungen. Er gibt ausschließlich die persönliche Meinung und subjektive Erfahrung des/der jeweiligen Autor*in*nen wieder. Keinesfalls können bestimmte Inhalte, insbesondere im Medium wiedergegebene Hinweise zu medizinischen Anwendungen (z. B. zur Einnahme bestimmer Arzneien) als konkreter Ratgeber oder gar Anleitung zur (Selbst-)Behandlung verstanden werden, insbesondere nicht von medizinischen Laien. Im Falle eines Behandlungsbedarfs halten Sie bitte Rücksprache mit professionellen Therapeut*innen, inbesondere Ihrem Hausarzt/Ärztin, um mögliche gesundheitliche Folgen und Schäden einer unprofessionellen Eigenanwendung zu vermeiden.
297. Homöopathischer Sonntag der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin, 13. Juni 2021 (Online via Zoom-Streaming)
Zur Veranstaltung "Der Homöopathische Sonntag"
Die "Homöopathischen Sonntage" sind eine seit 1994 regelmäßig monatlich an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin stattfindende Veranstaltung, in denen ein halber Tag (fünf Stunden) einem einzigen Arzneimittel, einem theoretischen oder praktischen Thema umfassend gewidmet ist. Sie gehören zu den kontinuierlichsten und zugleich fortschrittlichsten homöopathischen Vorlesungen, da das jeweilige Thema aus der aktuellen Sicht und Erkenntnis der homöopathischen Empirie und Forschung vermittelt wird.
